Archiv vom Mai 2007

Plastekohle

dezreais Heute habe ich mir nach dem wun­der­ba­ren Mit­tag­es­sen in der Mensa noch einen frisch­ge­press­ten Oran­gen­saft geleis­tet und bekam die­sen tol­len Schein als Wechselgeld.

Der mag zwar ganz gewöhnt­lich aus­se­hen, ist er aber nicht. Im April 2000 gab es eine „Son­der­edi­tion“ von 250 Mil­lio­nen 10-Reais-Scheinen aus einem Poly­mer bzw. Plastik.

Ob sie aus Anlass des 500-jährigen Jubi­le­ums der Ankunft der Por­tu­gie­sen her­aus­ge­bracht wur­den, oder, weil man hoffte, dass sie beson­ders bestän­dig oder fäl­schungs­si­cher sein soll­ten, ist hier im Büro stark umstrit­ten. Sicher ist jeden­falls, dass sie kei­nes­wegs beson­ders bestän­dig oder fäl­schungs­si­cher sind und auch nicht mehr gedruckt werden.

Fühlt sich ziem­lich selt­sam an, ehr­lich gesagt. Aber ich hebe ihn bestimmt auf, ist ja schließ­lich nicht so üblich.

Brasilianische Männer

Um gerecht zu sein, muss ich Euch natür­lich noch etwas über bra­si­lia­ni­sche Män­ner erzäh­len. Durch mein Stu­dium habe ich 90% mei­ner Zeit mit männ­li­chen Zeit­ge­nos­sen zu tun. Das hat sich auch hier in Flo­ri­anó­po­lis nicht geändert.

Lei­der sind mir aber in den fast drei Mona­ten in Süd­bra­si­lien keine beson­ders her­vor­ste­chen­den Eigen­schaf­ten auf­ge­fal­len, die sich von Nicht-Brasilianern unterscheiden.

Klar, bunte Strand­kla­mot­ten und große Son­nen­bril­len sind hier sehr ver­brei­tet. Das unter­schei­det sich aber nicht wirk­lich von ande­ren Städ­ten am Strand.

Was mir aber noch auf­ge­fal­len ist, dass Tat­toos –auch bei den Mädels– sehr viel häu­fi­ger sind als in Mag­de­burg. Bei Eini­gen kann ich das aber nur noch schwer als Kör­per­schmuck bezeich­nen. Irgend­wie ste­hen hier viele auf kit­schige Bil­der in allen Far­ben des Regenbogens.

Solotour

Wider Erwar­ten reg­nete es am Sams­tag mal nicht. Da es aber win­dig und recht frisch war, trau­ten die meis­ten Bra­si­lia­ner sich trotz­dem nicht aus dem Haus.

Also zog ich ges­tern allein los. Von Cam­pe­che ging es nach Arma­ção. Der Strand war nahezu men­schen­leer und so konnte ich wun­der­bar die Seele bau­meln las­sen und Pod­casts hören.

Wie immer, wenn man allein unter­wegs ist, lernt man durch­schnitt­lich mehr Men­schen ken­nen. Auf dem Weg zur Bus­hal­te­stelle hup­ten mich zum Bei­spiel zwei Typen an, die ich dann einige Stun­den spä­ter fischend am Strand wie­der traf. Man sieht sich also wirk­lich immer zwei Mal im Leben…

Dies­mal hatt ich abso­lut keine Lust meine Kamera mit­zu­schlep­pen und daher gibt es natür­lich auch keine Photos.

Noch einen Schlüssel mehr…

Da das Wet­ter hier von Woche zu Woche „bes­ser“ wird, bin ich auch schon das eine oder andere Mal am Wochen­ende für einen gan­zen Tag an der Uni gewesen.

Seit­dem ich an mei­nem neuen Arbeits­platz in einem ande­ren Rech­ner­la­bor bin, ist das bis­wei­len jedoch etwas schwie­rig. Die Tür zum ent­spre­chen­den Teil des Gebäu­des wird am Sams­tag und Sonn­tag ver­schlos­sen. Um hin­ein­zu­kom­men muss man also den Wach­mann auf­su­chen und nett nachfragen.

Dumm nur, dass er immer hin­ter einem abschließt. Um wie­der her­aus­zu­kom­men, wählt man dann seine interne Tele­fon­num­mer und hofft, dass es auch ange­schlos­sen ist und er in end­li­cher Zeit ans Tele­fon geht, oder ruft aus dem Fens­ter und hofft, dass man erhört wird.

Das war nicht immer gege­ben. Um mich am Sonn­tag vor zwei Wochen zu befreien, sah ich nur noch die Mög­lich­keit, die bei­den Stifte der Flü­gel­tür zu lösen und die Tür aufzuziehen.

Das gefiel dem Wach­dienst dann gar nicht, dass man ein­fach so aus dem Gebäude kommt und nun ver­hin­dert ein Vor­hän­ge­schloss jeg­li­ches unbe­fug­tes Ausbrechen.

Bevor die Arbeits­schutz­be­wuss­ten unter Euch nun auf­schreien, kann ich Euch beru­hi­gen. Heute habe ich end­lich einen Schlüs­sel für jene Tür erhal­ten. Dann steht einem Arbeits­wo­chen­ende ja nichts mehr im Weg…

Studentenwoche und Kultur

An der Uni­ver­si­dade Federal de Santa Cata­rina (UFSC) fin­det gerade die SEPEX (Semana de Ensino, Pes­quisa e Exten­são) statt. Es wer­den jede Menge Vor­träge ange­bo­ten, Fir­men stel­len sich vor und For­schungs­grup­pen ver­su­chen, ihre Arbeit den Stu­den­ten nahezubringen.

Im Rah­men die­ser Woche der For­schung und Bil­dung fin­den auch kleine Kon­zerte loka­ler und meist nicht sehr bekann­ter Bands oder andere kul­tu­relle Events statt.

Ges­tern Abend spielte zum Bei­spiel eine 5-köpfige Band beste­hend aus Schlag­zeug, Bass, Saxo­phon, Gui­tarre und Gesang Stü­cke bra­si­lia­ni­sche Künst­ler. Ein wirk­li­cher Ohren­schmaus und ein will­kom­mene Abwechs­lung zum Stan­dard­mitt­woch­abend zu Hause.

Heute Mit­tag wur­den dage­gen drei Filme von Stu­den­ten der Uni gezeigt. Das erin­nerte mich doch gleich an die Video­ex­po­si­tion im Mag­de­bur­ger Thea­ter im letz­ten Semes­ter. Lei­der war hier der Saal mit ins­ge­samt 5 Zuschau­ern extrem spär­lich besetzt.

Brasilianische Frauen

Beim Gril­len ges­tern Abend beim Genuss von Fleisch, Bier und ande­ren alko­ho­li­schen Geträn­ken kamen wir so auf das Thema bra­si­lia­ni­sche Frauen zu spre­chen. Laut den Erfah­rungs­be­rich­ten eini­ger Dok­to­r­an­ten der Runde stel­len diese das abso­lute high end auf der Eifer­suchts­skale dar.

Zwar kann ich das wegen man­geln­der Erfah­rung in Bezie­hun­gen zu Bra­si­lia­ne­rin­nen weder bestä­ti­gen noch demen­tie­ren, aber ich wollte Euch seit lan­gem mal das äußere Erschei­nungs­bild mei­ner weib­li­chen Mit­stu­den­tin­nen beschreiben.

Im Gro­ßen und Gan­zen muss ich wirk­lich sagen, dass die Mädels hier sehr auf ihr Äuße­res ach­ten und dem­ent­spre­chend auch ziem­lich was hermachen.

Bis auf schät­zungs­weise 5% Abweich­le­rin­nen wer­den Haare sehr lang getra­gen. Meine schul­ter­lan­gen Zot­teln gel­ten als Kurzhaarschnitt.

Mir ist außer­dem auf­ge­fal­len, dass die Klei­dung hier durch­schnitt­lich far­ben­fro­her und knap­per als in Deutsch­land ist. Und wer denkt, dass Plateau-Treter nur noch in Mag­de­burg In sind, hat die Plateau-Holz-Sandalen hier noch nicht gese­hen.
ohrring
Dann sind noch die Taschen zu erwäh­nen. Man kann auf dem Cam­pus Stan­dard­ta­schen mit Stu­di­en­gangs­auf­druck kau­fen. Da kann man dann Masch­bauer, Sozies und co gleich an der Tasche erken­nen. Auf Wunsch kann außer­dem der eige­nene Name auf­ge­druckt wer­den. Sehr praktisch.

Das wich­tigste Unter­schei­dungs­merk­mal zwi­schen einer Bra­si­lia­ne­rin und einer Aus­län­de­rin ist aber das Ohr­ring­phä­no­men. JEDE Frau trägt hier IMMER Ohr­ringe. Unter die­sem sozia­len Druck lasse sogar ich mich gele­gent­lich dazu hin­rei­ßen wel­che zu tra­gen… ;) –>

Und es hat BUM gemacht…

Vor genau zwei Wochen am Diens­tag ist in unse­rem Restau­rante Uni­ver­sitário, kurz R.U. (Mensa),  ein 500l-Schnellkochtopf explo­diert. Daher gab es an die­sem Tag logi­scher­weise kein Essen in der Mensa. Dies grenzte an eine mit­tel­schwere Kata­stro­phe, brachte jedoch den umlie­gen­den Loka­len beacht­li­chen Umsatz.

Ver­ständ­li­cher­weise wei­gern sich die Mit­ar­bei­ter jetzt wei­ter­hin dort zu arbei­ten. Um zu ver­hin­dern, dass aus­ge­mer­gelte, hung­rige, agres­sive und skru­pel­lose bra­si­lia­ni­sche Stu­den­ten eine Revolte anzet­teln, musste schnell etwas gesche­hen. Daher wird die Mensa seit Mitt­woch vor zwei Wochen von einer ande­ren Firma betrieben.

Die gute Nach­richt ist, dass es wie­der Reis und Boh­nen auf Alu­mi­ni­um­ta­bletts gibt. Die Schlechte, dass die Por­tio­nen jetzt kom­plett vor­ge­fer­tigt sind und man nicht mehr Reis, Boh­nen, Salat und Obst belie­big nach­neh­men kann.

Hach… schwere Zei­ten bre­chen an. Lenko brachte es in der letz­ten Woche auf den Punkt: „They des­troyed the spi­rit of the R.U.!“

Zimmerkosmetik

seesterneUm mein Zim­mer mit den kah­len, löch­ri­gen, dre­cki­gen, irgend­wann mal weiß gewe­se­nen Wän­den, dem Git­ter vor dem Fens­ter und der schö­nen Glüh­birne an der Decke optisch leich­ter von einer Gefäng­nis­zelle unter­schei­den zu kön­nen, habe ich, so gut es geht, ver­sucht, es ein wenig zu verschönern.

Diese See­igel­ge­rippe habe ich vor gut einer Woche bei mei­ner Strand­wan­de­rung gesam­melt. Es war gerade Ebbe und über­all lagen See­ige­l­über­reste jeg­li­cher Größe herum.

Eigent­lich hatte ich sehr viel mehr. Aber die Din­ger sind lei­der so fra­gil, dass mir vier beim Trans­port mit dem Bus nach Hause kaput gegan­gen sind. Daher habe ich auch wenig Hoff­nung, sie in gan­zen Stü­cken bis nach Deutsch­land zu bringen.

An die andere ca 3*3 Meter große Wand habe ich alle meine hier bis­her erhal­te­nen Post­kar­ten (3) geklebt. Nun ja, sie sehen zuge­ge­be­ner­ma­ßen etwas ver­lo­ren aus.…

(edit am 16.5. 15:57: Es sind keine See­STERNE son­dern See­IGEL. Danke an Katha nach Kanada!)

Kultur im Shoppingcenter

Um den Sams­tag noch aus­klin­gen zu las­sen, tra­fen sich Fabio und ich zu guter Letzt noch im neuen Shop­ping­cen­ter Iguatemi.

Buch In drei voll­ge­stopf­ten Eta­gen wan­deln Men­schen­mas­sen von mit Tüten bela­de­nen Bra­si­lia­nern durch glit­zernde, hoch­po­lierte Mar­mor­gänge und geben Geld aus, wel­ches sie eigent­lich gar nicht haben.

Nach einem Bum­mel durch die Mode­bu­den und Mar­ken­bou­ti­quen lan­de­ten wir in einer Buch­hand­lung. Dort fand ich nach eini­gem Stö­bern die­ses kleine Büch­lein „Cla­rissa“ des bra­si­lia­ni­schen Schrift­stel­lers Erico Veris­simo. Mal sehen, wie lange ich brau­che um es auch durchzulesen.

Nach so einem Kul­tur­teil durfte der krö­nende Abschied natür­lich nicht feh­len: Mein ers­ter (!) Kino­be­such in Bra­si­lien. Lei­der wollte Fabio gern „Homem-Aranha 3″ bzw „Spider-Man 3″ sehen. Naja, der Film war, wie erwar­tet, nicht sehr tief­grün­dig aber eben ein net­ter Zeitvertreib.

Sandboard

Wie ange­kün­digt war das Wet­ter am Sams­tag wirk­lich wun­der­bar und somit ver­brach­ten Fabio und ich wie­der­mal einen schö­nen Tag am Strand. Von Cam­pe­che ging es nach Joa­quina.

sandboard Vor dem Strand Joa­quina beob­ach­te­ten wir ein paar Sur­fer, die wahre Kunst­stü­cke auf ihren Bret­tern vollbrachten.

Danach wan­der­ten wir zu ein paar Dünen, auf denen man Sand­boards aus­leien um damit dann die Dünen hin­un­ter­zu­sau­sen kann. Lei­der musste man jedes Mal natür­lich auch wie­der hin­auf­lat­schen

Pho­tos die­ses Tages gibt es auf den Sei­ten 4 — 6 des Ord­ners „Strand“.