Archiv vom Juni 2007

ALEMANHA">Magdeburgo na ALEMANHA

karteEigent­lich könnte die­ser Bei­trag auch „Zim­mer­kos­me­tik 2.0″ heißen.

Vie­len Dank an alle, die mir Kar­ten geschrie­ben haben und mir somit gehol­fen haben Stück für Stück meine Wand zu schmü­cken. Den­noch blie­ben meine Wände recht kahl und kalt.

Ges­tern sah ich dann zufäl­lig einen Stra­ßen­händ­ler und kaufte bei ihm zwei rie­sige Land­kar­ten, eine von Bra­si­lien und ein Weltkarte.

Eigent­lich war ich von einer Welt­karte auf por­tu­gie­sisch nicht so ange­tan. Wer will schon eine Karte, wo ALEMANHA statt Deutsch­land steht? Dass aber sogar Mag­de­burgo drauf ist, wenn auch nicht an der Elbe, hat mich dann überzeugt.

Jetzt kann ich mich also in mei­nem Zim­mer bequem über Lan­des­flag­gen, Reli­gio­nen, Lan­des­grö­ßen, Zeit­zo­nen und Wäh­run­gen in der Welt und über die bra­si­lia­ni­schen Bun­des­staa­ten informieren.

Wohlstand und Armut

Ihr wisst, dass es in Bra­si­lien in den meis­ten gro­ßen Städ­ten Armen­vier­tel, „Fave­las“, gibt. Zu trau­ri­ger Berühmt­heit brin­gen es die Vier­tel in Rio de Janeiro oder São Paulo immer wie­der, wenn Mel­dun­gen über Ban­den­kriege oder bür­ger­kriegs­ähn­li­che Kämpfe zwi­schen loka­len Ban­den und der Poli­zei um die Welt gehen.

Der Süden Bra­si­lien ist ver­gleichs­weise wohl­ha­bend und aus­ge­dehnte Fave­las fin­det man in den drei Bun­des­staa­ten des Südens, Rio Grande do Sul, Santa Cata­rina und Paraná, nicht.

Flo­ri­anó­po­lis, die Haupt­stadt Santa Cata­ri­nas, ist beson­ders wohl­ha­bend und zählt daher zu den teue­ren und vor allem siche­re­ren Städ­ten Bra­si­li­ens. Trotz­dem gibt es auch hier Men­schen, die unter der Armuts­grenze leben. Bis­her habe ich nur gele­gent­lich arme Men­schen auf der Straße gese­hen und wurde auch noch nicht angebettelt.

Als ich mir heute aller­dings eine Teig­ta­sche zum Mit­tag an einem klei­nen Kiosk neben der Uni kau­fen wollte, wurde ich von einem klei­nen Jun­gen nach Geld gefragt. Ich schätze ihn auf etwa 10 Jahre. Wäre in der Schule nicht bes­ser aufgehoben?!

Flüge

Yip­pihh!

BrasilienIm August kommt Flo­rian zu mir her­un­ter geflo­gen und wir rei­sen gemein­sam vier Wochen durch die­ses rie­sige Land. Bra­si­lien ist mit sei­nen ca 8.500.000 km² fast so groß wie ganz Europa mit ca 10.180.000 km² und damit nach Russ­land, Canada, China und den USA das fünft­größte Land der Welt.

Schon allein die Bun­des­staa­ten Santa Cata­rina, des­sen Haupt­stadt Flo­ri­anó­po­lis ist, und Rio Grande do Sul süd­lich von Santa Cata­rina sind mit ca 95.000 und ca 282.000 km² zusam­men grö­ßer als Deutschland.

Klar kön­nen wir da auf Inlands­flüge nicht völ­lig ver­zich­ten, wenn wir nicht 90% der Rei­se­zeit in Bus­sen und die rest­li­chen 10% auf Bus­bahn­hö­fen ver­brin­gen wol­len. Also habe ich heute Flüge von Recife nach Bra­sí­lia und von Bra­sí­lia nach Campo Grande gebucht.

Es kann also losgehen!

Andere Länder.…

Eigent­lich halte ich nicht viel davon, meine schlechte Laune im Blog kund­zu­tun. Heute muss ich aber mal ein paar Beob­ach­tun­gen loswerden.

Es gibt in Bra­si­lien genauso wie über­all in der Welt Men­schen, die alles bis auf die letzte Sekunde hin­aus­schie­ben. Das kann einem meist egal sein und ist es in den meis­ten Fäl­len auch. Schließ­lich lau­fen viele Dinge in Latein­ame­rika etwas anders und vor allem langsamer.

Dumm wird es nur, wenn es Men­schen gibt, die von eben die­sen Per­so­nen abhän­gen, die viel­leicht mit ihrer eige­nen Arbeit nicht wei­ter kom­men und dem­ent­spre­chend dann und wann auch mal ver­stimmt sind.

Da hilft es auch nicht, dass man in Dis­kus­sio­nen unab­läs­sig daran erin­nert, dass wir uns in Bra­si­lien befin­den. Keine Sorge, das ver­gess ich schon nicht, aber die­ses Wis­sen hilft wahr­lich nicht weiter …

LÄRM">LÄRM

Wenn ich Bra­si­lien mit einem Wort beschrei­ben müsste, würde ich das viel­leicht mit „laut“, „Lärm“ oder „Ohren­schmer­zen“, sicher­lich aber nicht mit „Ruhe“ tun.

Irgend­wie ist es hier immer und über­all laut. Alters­schwa­che Autos, die aus der Früh­stein­zeit zu stam­men schei­nen, röh­rende Busse, hupende Fah­rer, Auto­ra­dios, deren Laut­stär­ke­knöpfe in Maxi­mal­stel­lung abge­bro­chen zu sein schei­nen, und brül­lende Kli­ma­an­la­gen bil­den eine impres­sio­nante Geräuschkulisse.

Auch Fens­ter oder Türen kön­nen die Schall­wel­len nicht stop­pen, denn die tau­gen gerade mal um Regen, Wind und viel­leicht auch Licht auf­zu­hal­ten. Teil­weise klafft aber zwi­schen Fens­ter­scheibe und Kli­ma­an­lage ein hand­brei­ter Spalt. Somit ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass man immer­mal wie­der den Ein­druck hat, der Bus würde durchs Büro statt auf der Stra­ßen fahren.

Und als wäre das nicht genug, fah­ren stän­dig mit Boxen bela­dene, plär­rende Autos oder Motor­rä­der durch die Gegend und beschal­len die Bür­ger mit ner­vi­ger, schnar­ren­der, schlecht­ge­mach­ter und vor allem lau­ter Werbung.

Falls jemand glaubt, dass sich der Lärm­pe­gel am Wochen­ende oder nachts absenkt, muss ich ihn auch ent­täu­schen. Wenn die Stra­ßen leer sind, ver­su­chen die ver­blei­ben­den Fah­rer unab­läs­sig durch über­höte Geschwin­dig­kei­ten die Geräusch­ku­lisse nicht abrei­ßen zu lassen.

Da wün­sche ich mich ab und zu auf eine EINSAME Insel.

Vestibular

Einen Stu­di­en­platz an der Uni­ver­si­dade Federal de Santa Cata­rina (UFSC) zu bekom­men ist gar nicht so ein­fach. Zunächst muss man an einem Test (Ves­ti­bu­lar) teil­neh­men, bei dem mehr oder weni­ger Schul­wis­sen und einige ver­tie­fende Fra­gen des jewei­li­gen Fach­be­rei­ches abge­fragt wer­den. Einer von 10 bis 20 Bewer­bern bekommt am Ende tat­säch­lich einen Studienplatz.

Beson­ders beliebt und begehrt sind auch die Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten. Wenn man sich dann die teil­weise ver­zwei­fel­ten Bemü­hun­gen deut­scher Uni­ver­si­tä­ten, Stu­di­en­an­wär­ter für Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten zu begeis­tern, anschaut, kommt einem das hier schon etwas absurd vor.

Heute fand wie­der einer die­ser gro­ßen Tests statt und im Gebäude wim­melte es von Schü­lern. Eigent­lich hätte ich gar nicht ins Gebäude gedurft, weil ich ja rein theo­re­tisch den Teil­neh­mern hätte hel­fen kön­nen. Weil mein Büro aber in einem sepe­ra­ten Gebäu­de­trakt liegt und ich ver­sprach, mich da schön artig ein­zu­schlie­ßen, ließ man mich gewähren.

Waschtag

seifeDa wir in unse­rer WG keine Wasch­ma­schine haben, wasche ich, seit­dem ich hier bin, meine kom­plette Wäsche mit der Hand.

Jedes Wochen­ende schruppe ich mit Kern­seife und Bürste meine Kla­mot­ten und ver­bringe damit unge­fähr eine bis zwei Stun­den. Inzwi­schen bin ich abso­lut rou­ti­niert und daher schnell und effektiv.

Klar könnte ich meine Sachen auch in die Wäsche­rei brin­gen, aber irgend­wie genieße ich es ab und zu diese stu­pi­den Auf­ga­ben zu erle­di­gen und dabei Pod­casts zu hören. Wo doch Abwa­schen aus Man­gel an hei­ßem Was­ser hier kei­nen Spaß macht…

Brasilianische Fortbewegungsmittel

Alle Sied­lungs­ge­biete auf der Insel Ilha Cata­ri­nense gehö­ren zur Stadt Flo­ri­anó­po­lis. Daher kön­nen die Wege inner­halb der Stadt unter Umstän­den schon ein­mal zu groß sein um sie zu Fuß zu bewäl­ti­gen. Um nicht vom loka­len Bus­ver­kehr abhän­gig zu sein, gibt es natür­lich viele wei­tere Fortbewegungsmittel.

Auto: Fast jeder hat eines, egal, ob er es sich eigent­lich leis­ten kann, oder nicht. Vor allem schön bunt muss es sein. Nichts mit sym­pa­tisch grau und freund­lich schwarz! Außer­dem sind Käfer extrem ver­brei­tet. Da die Pro­duk­tion aber schon seit eini­gen Jah­ren ein­ge­stellt ist, sind sie dem­ent­spre­chend alt un klapprig.

Motor­rad: Wer auf Sicher­heit im Stra­ßen­ver­kehr kei­nen Wert legt, nimmt hier auch gerne mal ein Moped oder Motor­rad. Damit kann man sich am bes­ten mit Shorts, Flip­flops und ganz sicher ohne Helm quer durch die Autos schlängeln.

Fahr­rad: Auch wenn es so gut wie keine Fahr­rad­wege gibt und das Leben eines Fahr­rad­fahr­rers weni­ger wert ist als ein Insekt, wagen es viele mit dem Draht­esel zu fah­ren. Dank Lenko habe ich ja auch ein gebrauch­tes Rad, wel­ches ich aber nur benutze, wenn die Sra­ßen mög­lichst leer sind.

Pfer­de­kar­ren: Die ärmere Bevöl­ke­rung kann sich oft­mals kein Auto leis­ten und greift daher zum Teil noch auf echte Pfer­de­stär­ken zurück.

Trak­tor: Auf dem Gelände der Uni fah­ren die Gärt­ner und Land­schafts­pfle­ger immer mit klei­nen, knat­tern­den Trak­to­ren Marke Eigen­bau herum. Wenn man einen sieht, tut man gut daran aus­zu­wei­chen. Der Fahr­rer wird es bestimmt nicht tun.

Servicegesellschaft Schwarzmarkt

In der letz­ten Woche erstand ich auf dem engen, über­füll­ten, hei­ßen, sti­cki­gen und ziem­lich lau­ten Markt ein garan­tiert ech­tes Ori­gi­nal­teil um meine Kame­raak­kus aufzuladen.

Eine in die Jahre gekom­mene Visi­ten­kar­ten wurde mit Datum, Kauf­preis und der Angabe „30 dias“ („30 Tage“) aus­ge­stat­tet und somit zur ein­mo­na­ti­gen Umtausch­ga­ran­tie umfunktioniert.

Lei­der funk­tio­niert das futu­ris­tisch anmu­tende Teil wirk­lich nicht, wes­halb ich mir dann doch bei Ebay ein Neues erstei­gert habe.

Heute fuhr ich dann wie­der ins Zen­trum um zu ver­su­chen das Teil zurück­zu­ge­ben. Viel Hoff­nung auf Erfolg hatte ich nicht. Als ich ankam und mein Pro­blem vor­trug, wurde noch etwa 10 Minu­ten Expe­ri­mente mit Kamera, Akku und ver­meint­li­chem Lade­ge­rät gemacht um eine Lösung zu finden.

Das war lei­der nicht mit Erfolg gekröhnt und so bekam ich mein Geld ohne Umschweife in vol­ler Höhe zurück. Ist das Ser­vice? Da kön­nen sich einige Läden wirk­lich noch eine Scheibe abschneiden!

Es funktioniert!

Was für ein tol­les Gefühl es ist, wenn man Tage– oder Wochen­lang an einem Pro­blem sitzst, es ein­fach nicht funk­tio­nie­ren will, man dann end­lich den super dum­men Feh­ler fin­det und es dann end­lich funk­tio­niert, kennt ihr bestimmt. So ging es mir heute.

supervisorUm meine kleine Anlage zu kon­trol­lie­ren, ent­werfe ich flei­ßig „Super­vi­sor“. Die sol­len dafür sor­gen, dass die Anlage nur das macht, was sie soll. Klingt logisch, oder? Damit das Pro­blem über­schau­bar bleibt, unter­teile ich es in viele kleine und bekomme dann viele kleine Super­vi­sor. Wie zum Bei­spiel die­sen hier.

Eigent­lich sol­len die alle in Har­mo­nie zusam­men funk­tio­nie­ren. Dumm nur, dass sie sich bis­her immer gegen­sei­tig blo­ckiert haben. Das heißt, es konn­ten Situa­tio­nen auf­tre­ten, in denen dann gar nichts mehr geht. Woran das liegt ist nicht so ein­fach her­aus­zu­fin­den, habe ich gemerkt.

Nun ist end­lich der Gro­schen gefal­len, ich habe den Feh­ler gefun­den, jetzt blo­ckie­ren sie sich end­lich nicht mehr gegen­sei­tig und es geht wei­ter mit der nächs­ten Aufgabe!