Stuttgart von unten
Eigentlich machte ich mich heute Nachmittag auf den Weg, um zu einem Konzert in der Leonhardskirche zu gehen. Doch das Benefizkonzert der Vocalgruppe Füenf aus Stuttgart wurde wegen Krankheit abgesagt. Deswegen schreibe ich jedoch gar nicht.
Als ich an der sogenannten Vesperkirche ankam, stand ich in einer Menge von Menschen, die oftmals wohl kaum noch in tiefere soziale Schichten sinken könnten. Neun Wochen lang, bis zum 15. März, wird dort durch Spenden subventioniertes und von vielen ehrenamtlichen Helfern zubereitetes Essen ausgegeben. Jeder kann für nur €1,20 eine Mahlzeit bekommen, ob bedürftig oder nicht, oder sich ärztlich untersuchen lassen.
Klar, man weiß, dass es auch in einer der vermeindlich reichsten Städte in einem der vermeindlich reichsten Länder der Erde Armut gibt. Doch mal Hand aufs Herz, wann denken wir wirklich daran? Sind wir uns dessen so bewusst, wie wir meist vorschnell vorgeben?
Ich will weder anklagen noch beschönigen. Ich gehe wohl nur von meinen heutigen Erlebnissen aus. Ehrlich gesagt, war ich geschockt ob des Anblicks. Obwohl ich weiß, dass es auch in Stuttgart eine große Zahl bedürftiger Menschen gibt, war es mir nicht bewusst. Vor allem konnte ich mir kaum vorstellen, dass es auch hier so viele sind, bis ich es gesehen habe. Ich musste mir wiedereinmal klarmachen, dass ich in einer wohlbehüteten und sicheren Blase lebe.