Archiv vom Februar 2009

Für Ulf

blarney_kiss

Irish for the very beginners

Bis­her gebe ich mir immer Mühe, dass ich die Spra­che eines Lan­des, in dem ich lebe, lerne. So weit so gut. In Irland gibt es neben Eng­lisch natür­lich auch Irisch als Amts­spa­che.  Also habe ich jetzt beschlos­sen etwas Irisch zu ler­nen und mich in einen Kurs an der Uni ein­ge­schrie­ben. Heute ging es dann los mit die­ser Spra­che, die sich nach ers­ten Beob­ach­tun­gen durch zun­gen­bre­che­ri­scher Aus­spra­che und unzu­mut­bare Schreib­weise auszeichnet.

Unsere Leh­re­rin emp­fahl uns übri­gens den lie­festream des iri­schen Radio­sen­ders RTÉ RAIDIÓ NA GAELTACHTA zu höh­ren. Wer allein die Web­seite lesen kann, ist mir Mei­len voraus…

Schaurig schaurig schaurig

gefaengnisDass Irlands Geschichte nicht gerade einer Wan­de­rung durch Blu­men­gär­ten glich, sollte wohl klar sein. Sehr anschau­lich wer­den einem die schau­ri­gen Zustände im 19 und Anfang des 20JH zum Bei­spiel im Cork City Gaol ver­mit­telt.

Mit einem ural­ten Walk­man (!!) (Für die jün­ge­ren Leser: Im vor­he­ri­gen Jahr­hun­dert wurde das Ton­band erfun­den, was zum Bei­spiel in Form einer Audio­kas­sette zum Auf­zeich­nen, Spei­chern und Abspie­len von Audio­ma­te­rial ver­wen­det wurde.) aus­ge­rüs­tet wird man von einem Audio­guide durch die Aus­stek­kung geführt. Lei­der wurde wohl bei der Auf­nahme extrem gespart, denn zumin­dest die deut­sche Vari­ante der akus­ti­schen Füh­rung sprüht nicht gerade vor Begeis­te­rung über. Eine litar­gi­sche Stimme quält sich viel­mehr wahn­sin­nig gelang­weilt durch die Kapi­tel und gibt einen schau­ri­gen Ein­druck vom ein­tö­ni­gen All­tag im Gefängnis.

Die Web­seite des Gefäng­nis­ses ist übri­gens auch recht schaurig…

Eloquenz für einen Kuss

3288665904_db8e2df7a4Wer möchte nicht auch mit sei­nen Wor­ten die Mas­sen begeis­tern, Mit­men­schen auf der gan­zen Welt zu Trä­nen rüh­ren, den heim­li­chen Schwarm für sich gewin­nen, sich eine saf­tige Gehalts­er­hö­hung erquat­schen oder ein­fach nur die Welt­herr­schaft an sich reißen?

Wenn es mit kei­nem der obi­gen Punkte bis­her geklappt hat, hilft unter Umstän­den eine Reise zum Blar­ney Castle. Dort küsst man ein­fach den Stein der Rede­ge­wandt­heit und kann der Saage nach fortan jeden mit hoh­len Flos­keln und blu­mi­gen Phra­sen um den Fin­ger wickeln. Da zahlt sich so ein Flug­ti­cket nach Irland doch schnell aus ;-)

Natür­lich möchte ich auch die Welt­herr* (*räus­per*) Welt ver­bes­sern und habe den Stein geküsst. Das stellt sich aber als nicht so ein­fach her­aus, weil man kopf­über in ca 30 Metern Höhe hängt und von einem Ange­stell­ten gehal­ten wer­den muss. Der Typ macht übri­gens den gan­zen Tag nichts ande­res als Tou­ris an der Hüfte fest­zu­hal­ten — und das schon seit Jah­ren! Was ist da eigent­lich die Job­be­zeich­nung (Hüft­hal­ter?) oder gar –beschreibung?

Primaten am Tag der Liebe

affenAuf dem Rück­weg von Cobh besuch­ten wir noch den Fota Wild­life Park und spa­zier­ten gut drei Stun­den durch Gehege und frei her­um­lau­fende Tie­ren aller Art. Erfreu­li­cher­weise hatte der Park anläss­lich des Valen­tins­tags sogar ein Son­der­an­ge­bot für Pär­chen (wir zahl­ten nur die Hälfte, plus Stu­den­ten­ra­batt, Jippy!).

Die­ses Ange­bot muss wohl in einer Lokal­zei­tung gestan­den haben, denn es wan­del­ten eine Menge Pär­chen mit ver­träum­tem Blick durch die Gegend und schau­ten sich eher gegen­sei­tig in die Augen als die Tiere zu beobachten.

Auch die nicht­mench­li­chen Pri­ma­ten waren wohl ganz auf Roma­tik ein­ge­stellt und zeig­ten ihre Zunei­gung unter­ein­an­der indem sie sich gegen­sei­tig das Unge­zie­fer aus dem Pelz fra­ßen. Yummy…

Cobh

cobhAm Wochen­ende führte uns ein Aus­flug der Inter­na­tio­nal Student’s Society in den Süden Irlands nach Cork.

Am Sams­tag mach­ten wir uns von dort aus mit dem Zug auf nach Cobh, einem klei­nen Küs­ten­ort in der Nähe. Dort rei­hen sich viele bunte Häu­ser in allen Far­ben des Regen­bo­gens anein­an­der und machen Lust ein­fach durch den Ort zu strei­fen und den Blick schwei­fen zu lassen.

Was man der Idylle alle­rings nicht ansieht, sind die tra­gi­schen his­to­ri­schen Ereig­nisse, die sich hier abge­spielt haben oder ihren Lauf nah­men: Cobh war zu Zei­ten der gro­ßen Hun­gers­not in Irland Mitte des 19.JH einer der wich­tigs­ten Häfen und geschätzte drei Mil­lio­nen Men­schen bestie­gen hier ein Schiff in der Hoff­nung in den USA eine lebens­wer­tere Zukunft zu fin­den. Auch die Tita­nic lief hier übri­gen das letzte Mal vor Anker.

Mehr Bil­der fin­det Ihr hier!

Verkehrte Welt oder Globalisierung hat vielleicht doch etwas gutes

snow_manIn den letz­ten Tagen hat es bereits so viel geschneit, dass ein paar Kin­der auf dem Süd­cam­pus der Uni sogar einen total wit­zi­gen Schnee­mann gebaut haben!

Die Älte­ren lie­fen scha­ren­weise mit Kame­ras durch den Ort und ver­such­ten die weiße Decke so gut es ging in Bil­dern zu verewigen.

erdbeerentestAls kras­ser Kon­trast steht dem das aktu­elle Obst-Angebot im Aldi ent­ge­gen. Pro Monat sind hier immer sechs Obst– und Gemü­se­sor­ten extrem ver­güns­tigt. Im Februar gibt es nun Kis­ten­weise Erd­bee­ren für gerade ein­mal 79cent. Für die­sen Preis würde man sie hier nicht ein­mal bekom­men, wenn sie neben dem Super­markt wach­sen wür­den — und das im Februar? Soll­ten man ihnen viel­leicht sagen, dass wir hier nicht auf der Süd­halb­ku­gel sind???

Wintereinbruch

snow_campus

Dass es hier oft und gerne reg­net ist nichts Neues. Neu ist aller­dings, dass der Nie­der­schlag in den letz­ten Tagen in Form von Schnee her­un­ter­kommt. Ok, das kommt auch schon ein­mal vor hier. Aber heute ist der Schnee lie­gen geblie­ben! Das ist in Irland eher sel­ten der Fall und auch die Iren trau­ten ihren Augen kaum. Ähnlich wie in Groß­bri­ta­nien haben hier viele Men­schen keine Win­ter­rei­fen und so ist das Ver­kehrs­chaos an vie­len Orten natür­lich vor­pro­gram­miert. Pho­tos des Cam­pus‘ im Schnee gibt’s hier.

Galway

galwayDen Son­natg Vor­mit­tag ver­brach­ten wir mit Spa­zie­ren gehen und Kaf­fee trin­ken. Es gibt nicht gerade ein Über­an­ge­bot an Sehens­wür­dig­kei­ten in Gal­way und inner­halb von zwei Stun­den hat man eigent­lich alles Wich­tige gesehen.

Inte­resant fand ich aber eine kleine Geschichte, die sich Ende des 15. Jahr­hun­derts dort zuge­tra­gen haben soll: Der Bür­ger­meis­ter James Lynch hatte einen so aus­ge­präg­ten Sinn für Gerech­tig­keit, dass er sei­nen eige­nen Sohn wegen Mor­des zum Tode ver­ur­teilte. Als jedoch nie­mand das Urteil voll­stre­cken wollte, tat er dies selbst und ging danach in ein Klos­ter. Die Geschichte gilt als mög­li­che Ursa­che für den Begriff Lynch­jus­tiz.

Wie­der was dazu­ge­lernt, gell?