Namenszirkus

Wer im Aus­land lebt und sich außer­dem mit einer frem­den Lan­des­spra­che kon­fron­tiert sieht, muss sich daran gewöh­nen, dass der eigene Name nicht sehr üblich oder gar unbe­kannt ist. So weit so gut, damit kann ich leben.

Es ver­blüfft mich jedoch immer wie­der, wie­viele fal­sche und durch­aus krea­tive und amü­sante Varia­tio­nen eines ein­zi­gen Namens erfun­den wer­den kön­nen. Hier das best of:

Steffi:

Anfangs kam es vor, dass Men­schen Ste­wfi schrie­ben, weil ich mei­nen Namen gele­gent­lich statt S T E F F I mit S T E ‚dou­ble F‘ I buch­sta­bierte. Ok, viel­leicht ist ja meine Aus­spra­che nicht so super, also ver­meide ich das jetzt und ärgere mich gele­gent­lich nur über eigen­mäch­tige Ver­län­ge­run­gen mei­nes Names zu Ste­pha­nie, Ste­fa­nie oder Stefany.

Flo­rian:

Dass Flo­rian tat­säch­lich ein männ­li­cher Vor­name ist, scheint schwer zu glau­ben zu sein und so bekommt er immer wie­der mal Post für Mrs oder Miss Flo­rin oder Flo­rina. Sogar bei der Bank, wo er per­sön­lich da war um ein zwei­tes Konto zu eröff­nen bekam er danach Unter­la­gen für die fik­tive Miss Florin(a). Die Bank ist so wie so ein Experte in Sachen Namen. Unglaub­lich aber wahr: Die Namens­fel­der im Com­pu­ter­sys­tem für den Namen des Kon­to­in­ha­bers, Kon­takt­adresse und Name auf der Bank­karte schei­nen intern nicht mit­ein­an­der ver­bun­den zu sein, denn zwei die­ser drei auf­ge­führ­ten Namen waren unter­schied­lich falsch.

Auch mein Nach­name wurde bei glei­cher Gele­gen­heit von der glei­chen Bank in Kingle (hat so was roya­les…) abge­än­dert. Dabei haben wir unsere Namen nur ein ein­zi­ges Mal in gro­ßen Druck­buch­sta­ben ange­ge­ben. Also wenn schon zu dumm zum Abtip­pen, dann doch bitte immer der glei­che Feh­ler. Das wäre wenigs­tens konsequent!

Übri­gens han­delte es sich bei der Aktion um ein neues, gemein­sa­mes Konto für uns beide. Obwohl wir ja bereits Kun­den bei der Bank sind und auch die Kon­to­da­ten unse­rer sepa­ra­ten Kon­ten anga­ben, war es offen­sicht­lich nicht mög­lich die dort rich­tig ange­ge­be­nen Namen zu kopieren.

Klinge:

Das trau­rige High­light die­ser Geschichte ist jedoch meine Kor­re­spon­denz mit dem für das ‚Mother-and-child-scheme‘ ver­ant­wort­li­che Amt für soziale Fra­gen. Um wäh­rend der Schwan­ger­schaft kos­ten­los in den Genuss von Kon­troll­un­ter­su­chun­gen zu kom­men, schickte ich einen Antrag, der natür­lich wie­der mit gro­ßen Druck­buch­sta­ben aus­ge­füllt war, an die ent­spre­chende Stelle.

Als ich nach acht Wochen immer­noch kei­nen Schwan­ger­schafts­pass hatte, füllte ich den Antrag ein zwei­tes Mal (wie­der Druck­buch­sta­ben) aus und war­tete wei­tere drei Wochen bis ich in der Behörde anrief und meine Daten am Tele­fon (Name buch­sta­biert, K like King, L like.…) hinterließ.

Etwa wei­tere zwei Wochen spä­ter bekam ich in kur­zem Abstand drei Briefe der Behörde glei­chen Inhalts (Antrag ange­nom­men, bla bla) an drei ver­schie­dene Ver­sio­nen mei­nes Namens: Klinge (sehr gut, ja! yip­pieh!), Klin­gie (nagut, man hat sich bemüht) und Klinmge (ähm, ja).

IMG_0108Das schönste war aller­dings, der letzte Coup: Als wir aus Spa­nien zurück kamen, fischte ich einen Umschlag an Ms S. Velije aus dem Brief­kas­ten. Wie erwar­tet ent­hielt er Schwan­ger­schafts­pass und Begleit­schrei­ben Num­mer vier. Die ein­zige Erklä­rung für diese Tota­lent­glei­sung ist, dass jemand ver­sucht hat, meine Unter­schrift abzu­tip­pen. Aber soll­ten denn nicht alle Anträge schon längst mit einer der vor­he­ri­gen Namens­ver­sio­nen abge­hef­tet sein? Und warum tippt man bitte eine Unter­schrift ab, wenn drei Zei­len wei­ter oben der Name in Druck­buch­sta­ben steht? Haben die da nur Prak­ti­kan­ten und Analphabeten????

Eigent­lich müsste ich meine Namens­än­de­rung ange­ben aber ich glaube, ich möchte gar nicht wis­sen, wie sehr man Knorn ver­stüm­meln kann.

Seit eini­ger Zeit schreibe ich nur noch mit dem Com­pu­ter geschrie­bene Briefe und hebe den Namen mit einem ent­spre­chen­den Ver­merk in fett her­vor statt irgendwo anzu­ru­fen. Das ist zwar teil­weise etwas müh­se­lig und kost­spie­li­ger als ein kur­zer Anruf, aber es funktioniert.…

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