Archiv vom Oktober 2009

Planänderung

Eigent­lich wollte ich am Mon­tag noch zwei Pos­ter fer­tig­stel­len. Meine Leber beschloss aller­dings an die­sem schö­nen, son­ni­gen Mor­gen, dass sie ihren Platz lange genug mit einem stän­dig wach­sen­den und stram­peln­den Kind tei­len musste — und begann zu streiken.

Wenige, aber schein­bar end­lose Stun­den spä­ter wurde mir dann meine kleine Toch­ter hin­ge­hal­ten.

Ein paar zufäl­lige Gedanken:

  • Rosa ist auch eine Farbe
  • Falls irgend­wann keine Inge­nieure mehr gebraucht wer­den, kann ich auch nicht Bikini-Model werden
  • Biuroh, oder wie schreibt man das gleich?
  • Zarte Hände sind ver­erb­bar — große Füße lei­der auch
  • Jeg­li­che Dis­kus­sio­nen über Jung­s­na­men haben ein abrup­tes Ende
  • Viel­leicht melde ich mich dem­nächst beim Guin­ness Buch der Rekorde in der Kate­go­rie „Anzahl Tacker-Klammern um eine Narbe“ an
  • Brust­pum­pen kön­nen zwi­schen 20 und 1600 EUR kosten
  • Datum erste Nacht unun­ter­bro­che­nen Schlafs: etwa Okto­ber 2011
  • Stil­len ist eine Wis­sen­schaft für sich
  • Darf ich jetzt end­lich Kin­dern mit spu­cke­be­feuch­te­ten Taschen­tü­chern im Gesicht herumwischen?
  • Hor­mone kön­nen effi­zi­ent die Psy­che beeinflussen
  • Mophium ist was Feines

Die Quälerei mit der Wählerei

Heute kamen für Flo­rian noch ein­mal Wahl­un­ter­la­gen an! Und zwar gibt es in Eich­walde eine Stich­wahl, weil kei­ner der Bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten im ers­ten Wahl­gang die abso­lute Mehr­heit bekom­men hat. Da hat man doch gar nicht mit­zu­re­den, wenn man im Aus­land lebt! *grummel*

Da das eine andere Mel­de­be­hörde ist, hat das mit mei­nem Fall mit aller höchs­ter Wahr­schein­lich­keit nichts zu tun, aber es macht mich doch stut­zig. Es scheint, dass nicht viele im Aus­land lebende Deut­sche von ihrem Wahl­recht Gebrauch machen oder die Ämter aus ande­ren Grün­den damit nicht sehr viel Erfah­rung zu haben scheinen.

Nobel, nobel

botschaftWie bereits berich­tet waren Flo­rian und ich am Tag der Ein­heit zu einem Emp­fang in der Resi­denz des deut­schen Bot­schaf­ters in Dub­lin ein­ge­la­den. Da lie­ßen wir uns natür­lich nicht lum­pen, zogen unsere bes­ten Sachen an, was noch passt, und bega­ben uns ganz stan­des­ge­mäß mit der Bahn zum Anwe­sen des Botschafters.

Sämt­li­che Bot­schaf­ter in Dub­lin sowie die iri­schen Minis­ter und der Pre­mier­mi­nis­ter waren ein­ge­la­den. Wer ankam begrüßte zunächst den Gast­ge­ber und anschlie­ßend andere wich­tige Per­sön­lich­kei­ten. Dabei gilt es eine strickte Eti­kette ein­zu­hal­ten, wer wann, in wel­cher Rei­hen­folge begrüßt und anspricht — etwas, wo ich natür­lich wie­der kom­plett ver­sagt habe. Zum Bei­spiel habe ich das Gespräch mit dem korea­ni­schen Bot­schaf­ter viel zu locker mit einem „I’m Steffi, nice to meet you.“ (oder so) begon­nen anstatt des ange­brach­ten „It’s an honour to meet you, your excel­lency.“ Ich konnte ja nicht wis­sen, dass er der Bot­schaf­ter ist. (Zuvor waren mir auch ‚nor­male‘ Bot­schafts­mit­ar­bei­ter über den Weg gelau­fen.) Doch Flo­rian ret­tete die Situa­tion mit eben die­sem Satz und sei­nen umfas­sen­den Kennt­nis­sen über Süd­ko­rea. Der Bot­schaf­ter schien mir das Ganze sowieso nicht übel zu neh­men. Trotz­dem ist es irgend­wie komisch, wenn man beim Vor­stel­len auf ein „I’m the ambas­sa­dor of … .“ nur „I’m a Ger­man citi­zen / PhD stu­dent from Mayn­ooth.“ erwi­dern kann.

Nach ein paar Minu­ten hatte ich mich so gut es ging auf diese Situa­tion ein­ge­stellt und hoffe danach der­lei Feh­ler ver­mie­den zu haben. Eigent­lich waren alle Men­schen, mit denen ich im Laufe des Abends ins Gespräch kam, auch nur Men­schen und es erga­ben sich viele unge­zwun­gene und sehr inter­es­sante Gesprä­che. Jetzt weiß ich zum Bei­spiel, wie man an einen Job in der Bot­schaft kommt und wo die Kin­der eini­ger Mili­tärs zur Uni gehen.

Fazit: Sehr inter­es­san­ter, her­aus­for­dern­der, lehr­rei­cher und wirk­lich schö­ner Abend. Jeden Tag wäre mir das sicher zu anstren­gend aber das muss man echt mal erlebt haben.

Die Zukunft Europas in den Händen der Iren

Nach­dem die Iren im Juni letz­ten Jah­res den Ver­trag von Lis­sa­bon abge­lehnt haben, muss­ten sie heute noch ein­mal dar­über abstim­men. Alles deu­tet dar­auf hin, dass er dies­mal ange­nom­men wird. Was hat sich in den letz­ten 16 Mona­ten verändert?

Laut Umfra­gen sind die Iren dies­mal bes­ser infor­miert aber ich frage mich manch­mal woher. Ich meine, die Pla­kate der Yes– und No-Kampagne schei­nen mir ebenso popu­lis­tisch, über­trie­ben und teil­weise falsch, wie im letz­ten Jahr. Beide Sei­ten ver­ste­hen sich offen­bar dar­auf, Fak­ten los­ge­löst vom Kon­text dar­zu­stel­len, Wahr­heit und Mög­lich­keit zu ver­wech­seln und Halb­wahr­hei­ten zu ver­brei­ten. Obwohl ich ver­sucht habe, mich halb­wegs objek­tiv zu infor­mie­ren, fühle ich mich immer­noch genauso schlau wie zuvor. Hier ein paar Beispiele:

Die No-Kampagne will punk­ten, indem sie das Ende der mili­tä­ri­schen Neu­tra­li­tät Irlands beschwört. Angeb­lich gibt es Soli­da­ri­täts­klau­seln für den Fall eines ter­ro­ris­ti­schen Angriffs. Die Yes-Seite beruft sich da auf eine Zusage der EU, dass Irland wei­ter­hin neu­tral wäre. Die Geg­ner des Ver­trags argu­men­tie­ren wie­derum, dass diese Zusa­gen nicht recht­lich bin­dend wären. Ähnli­che Dis­kus­sio­nen gibt es zum Thema Abtreibung.

Die neuen Rege­lun­gen für die Abstim­mung sind ebenso hef­tig umstrit­ten. Viele meine, dass es gerecht wäre, dass jedes Land genau eine Stimme hat, so wie jeder Bür­ger genau eine Stimme hat in einer Demo­kra­tie. Aber Moment: Ist dies nicht anma­ßend, wenn man über­legt, dass es ca 80 Mil­lio­nen Deut­sche, 63 Mil­lio­nen Fran­zo­sen, 45 Mil­lio­nen Spa­nier und gerade ein­mal 4 Mil­lio­nen Iren gibt?! Ist es außer­dem sinn­voll eine prak­tisch hand­lungs­un­fä­hige EU zu haben, in der alle rele­van­ten Ent­schei­dun­gen von nur einem Staat blo­ckiert wer­den kön­nen? Auf eini­gen Pla­ka­ten wird ganz offen Stim­mung gegen die Deut­schen betrie­ben und die Angst geschürt, Deutsch­land und Frank­reich wür­den in der EU in Zukunft quasi allein ent­schei­den. Irre ich mich denn so sehr, wenn ich denke, im Ver­trag steht, dass 55% der Staa­ten oder 65% der Bevöl­ke­rungs­an­teile zustim­men müssen?

Außer­dem gibt es natür­lich eine große Debatte zum Thema Geld: Klar, jeder bekommt lie­ber Geld, als etwas zu zah­len. Aber man­che Men­schen schei­nen wirk­lich zu den­ken, dass das Geld in Brüs­sel ein­zig und allein für Irland gedruckt wird. Auch was direkte EU-Steuern angeht, kur­siere die wil­des­ten Gerüchte und Halb­wahr­hei­ten, die sich teil­weise extrem widersprechen.

Und zu guter Letzt: Die Rezes­sion hat Irland stark getrof­fen und den cel­tic tiger zur Stre­cke gebracht. Die Befür­wor­ter des Ver­trags wer­ben nun mit der Aus­sicht, dass die Lage nur mit Hilfe der EU ver­bes­sert wer­den kann. Ja, mag sein, aber wie kon­kret spielt der Ver­trag von Lis­sa­bon da hin­ein? Und den­ken Men­schen wirk­lich, dass sie nach einem posi­ti­ven Votum am Mon­tag Mor­gen sofort wie­der einen Job haben?

Ver­steht mich nicht falsch. Ich bin kei­nes­wegs Europa-kritisch, aber ich kann mitt­ler­weile sehr gut ver­ste­hen, warum viele Iren auch nicht so recht wis­sen, was sie wie über was oder auch nicht abstim­men sollen.