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Andere Länder.…

Eigent­lich halte ich nicht viel davon, meine schlechte Laune im Blog kund­zu­tun. Heute muss ich aber mal ein paar Beob­ach­tun­gen loswerden.

Es gibt in Bra­si­lien genauso wie über­all in der Welt Men­schen, die alles bis auf die letzte Sekunde hin­aus­schie­ben. Das kann einem meist egal sein und ist es in den meis­ten Fäl­len auch. Schließ­lich lau­fen viele Dinge in Latein­ame­rika etwas anders und vor allem langsamer.

Dumm wird es nur, wenn es Men­schen gibt, die von eben die­sen Per­so­nen abhän­gen, die viel­leicht mit ihrer eige­nen Arbeit nicht wei­ter kom­men und dem­ent­spre­chend dann und wann auch mal ver­stimmt sind.

Da hilft es auch nicht, dass man in Dis­kus­sio­nen unab­läs­sig daran erin­nert, dass wir uns in Bra­si­lien befin­den. Keine Sorge, das ver­gess ich schon nicht, aber die­ses Wis­sen hilft wahr­lich nicht weiter …

LÄRM

Wenn ich Bra­si­lien mit einem Wort beschrei­ben müsste, würde ich das viel­leicht mit „laut“, „Lärm“ oder „Ohren­schmer­zen“, sicher­lich aber nicht mit „Ruhe“ tun.

Irgend­wie ist es hier immer und über­all laut. Alters­schwa­che Autos, die aus der Früh­stein­zeit zu stam­men schei­nen, röh­rende Busse, hupende Fah­rer, Auto­ra­dios, deren Laut­stär­ke­knöpfe in Maxi­mal­stel­lung abge­bro­chen zu sein schei­nen, und brül­lende Kli­ma­an­la­gen bil­den eine impres­sio­nante Geräuschkulisse.

Auch Fens­ter oder Türen kön­nen die Schall­wel­len nicht stop­pen, denn die tau­gen gerade mal um Regen, Wind und viel­leicht auch Licht auf­zu­hal­ten. Teil­weise klafft aber zwi­schen Fens­ter­scheibe und Kli­ma­an­lage ein hand­brei­ter Spalt. Somit ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass man immer­mal wie­der den Ein­druck hat, der Bus würde durchs Büro statt auf der Stra­ßen fahren.

Und als wäre das nicht genug, fah­ren stän­dig mit Boxen bela­dene, plär­rende Autos oder Motor­rä­der durch die Gegend und beschal­len die Bür­ger mit ner­vi­ger, schnar­ren­der, schlecht­ge­mach­ter und vor allem lau­ter Werbung.

Falls jemand glaubt, dass sich der Lärm­pe­gel am Wochen­ende oder nachts absenkt, muss ich ihn auch ent­täu­schen. Wenn die Stra­ßen leer sind, ver­su­chen die ver­blei­ben­den Fah­rer unab­läs­sig durch über­höte Geschwin­dig­kei­ten die Geräusch­ku­lisse nicht abrei­ßen zu lassen.

Da wün­sche ich mich ab und zu auf eine EINSAME Insel.

Vestibular

Einen Stu­di­en­platz an der Uni­ver­si­dade Federal de Santa Cata­rina (UFSC) zu bekom­men ist gar nicht so ein­fach. Zunächst muss man an einem Test (Ves­ti­bu­lar) teil­neh­men, bei dem mehr oder weni­ger Schul­wis­sen und einige ver­tie­fende Fra­gen des jewei­li­gen Fach­be­rei­ches abge­fragt wer­den. Einer von 10 bis 20 Bewer­bern bekommt am Ende tat­säch­lich einen Studienplatz.

Beson­ders beliebt und begehrt sind auch die Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten. Wenn man sich dann die teil­weise ver­zwei­fel­ten Bemü­hun­gen deut­scher Uni­ver­si­tä­ten, Stu­di­en­an­wär­ter für Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten zu begeis­tern, anschaut, kommt einem das hier schon etwas absurd vor.

Heute fand wie­der einer die­ser gro­ßen Tests statt und im Gebäude wim­melte es von Schü­lern. Eigent­lich hätte ich gar nicht ins Gebäude gedurft, weil ich ja rein theo­re­tisch den Teil­neh­mern hätte hel­fen kön­nen. Weil mein Büro aber in einem sepe­ra­ten Gebäu­de­trakt liegt und ich ver­sprach, mich da schön artig ein­zu­schlie­ßen, ließ man mich gewähren.

Waschtag

seifeDa wir in unse­rer WG keine Wasch­ma­schine haben, wasche ich, seit­dem ich hier bin, meine kom­plette Wäsche mit der Hand.

Jedes Wochen­ende schruppe ich mit Kern­seife und Bürste meine Kla­mot­ten und ver­bringe damit unge­fähr eine bis zwei Stun­den. Inzwi­schen bin ich abso­lut rou­ti­niert und daher schnell und effektiv.

Klar könnte ich meine Sachen auch in die Wäsche­rei brin­gen, aber irgend­wie genieße ich es ab und zu diese stu­pi­den Auf­ga­ben zu erle­di­gen und dabei Pod­casts zu hören. Wo doch Abwa­schen aus Man­gel an hei­ßem Was­ser hier kei­nen Spaß macht…

Brasilianische Fortbewegungsmittel

Alle Sied­lungs­ge­biete auf der Insel Ilha Cata­ri­nense gehö­ren zur Stadt Flo­ri­anó­po­lis. Daher kön­nen die Wege inner­halb der Stadt unter Umstän­den schon ein­mal zu groß sein um sie zu Fuß zu bewäl­ti­gen. Um nicht vom loka­len Bus­ver­kehr abhän­gig zu sein, gibt es natür­lich viele wei­tere Fortbewegungsmittel.

Auto: Fast jeder hat eines, egal, ob er es sich eigent­lich leis­ten kann, oder nicht. Vor allem schön bunt muss es sein. Nichts mit sym­pa­tisch grau und freund­lich schwarz! Außer­dem sind Käfer extrem ver­brei­tet. Da die Pro­duk­tion aber schon seit eini­gen Jah­ren ein­ge­stellt ist, sind sie dem­ent­spre­chend alt un klapprig.

Motor­rad: Wer auf Sicher­heit im Stra­ßen­ver­kehr kei­nen Wert legt, nimmt hier auch gerne mal ein Moped oder Motor­rad. Damit kann man sich am bes­ten mit Shorts, Flip­flops und ganz sicher ohne Helm quer durch die Autos schlängeln.

Fahr­rad: Auch wenn es so gut wie keine Fahr­rad­wege gibt und das Leben eines Fahr­rad­fahr­rers weni­ger wert ist als ein Insekt, wagen es viele mit dem Draht­esel zu fah­ren. Dank Lenko habe ich ja auch ein gebrauch­tes Rad, wel­ches ich aber nur benutze, wenn die Sra­ßen mög­lichst leer sind.

Pfer­de­kar­ren: Die ärmere Bevöl­ke­rung kann sich oft­mals kein Auto leis­ten und greift daher zum Teil noch auf echte Pfer­de­stär­ken zurück.

Trak­tor: Auf dem Gelände der Uni fah­ren die Gärt­ner und Land­schafts­pfle­ger immer mit klei­nen, knat­tern­den Trak­to­ren Marke Eigen­bau herum. Wenn man einen sieht, tut man gut daran aus­zu­wei­chen. Der Fahr­rer wird es bestimmt nicht tun.

Servicegesellschaft Schwarzmarkt

In der letz­ten Woche erstand ich auf dem engen, über­füll­ten, hei­ßen, sti­cki­gen und ziem­lich lau­ten Markt ein garan­tiert ech­tes Ori­gi­nal­teil um meine Kame­raak­kus aufzuladen.

Eine in die Jahre gekom­mene Visi­ten­kar­ten wurde mit Datum, Kauf­preis und der Angabe „30 dias“ („30 Tage“) aus­ge­stat­tet und somit zur ein­mo­na­ti­gen Umtausch­ga­ran­tie umfunktioniert.

Lei­der funk­tio­niert das futu­ris­tisch anmu­tende Teil wirk­lich nicht, wes­halb ich mir dann doch bei Ebay ein Neues erstei­gert habe.

Heute fuhr ich dann wie­der ins Zen­trum um zu ver­su­chen das Teil zurück­zu­ge­ben. Viel Hoff­nung auf Erfolg hatte ich nicht. Als ich ankam und mein Pro­blem vor­trug, wurde noch etwa 10 Minu­ten Expe­ri­mente mit Kamera, Akku und ver­meint­li­chem Lade­ge­rät gemacht um eine Lösung zu finden.

Das war lei­der nicht mit Erfolg gekröhnt und so bekam ich mein Geld ohne Umschweife in vol­ler Höhe zurück. Ist das Ser­vice? Da kön­nen sich einige Läden wirk­lich noch eine Scheibe abschneiden!

Nordspitze

Nach­dem Fabio, Emer­son, Carin, Harald und ich in der letz­ten Woche zum Süd­ende der Insel wan­der­ten, woll­ten Harald und ich dies­mal die Nord­spitze erkunden.

nordtourVom Praia Ing­le­ses ging es bar­fuß über Praia Brava, Praia da Lagoinha und Ponta das Canas bis nach Cachoeira do Bom Jesus. Der Nor­den ist ziem­lich zuge­baut, teil­weise mit Hotels und Nobe­la­part­ments, teil­weise mit Häu­sern der Ein­hei­mi­schen. Zwi­schen Lagoinha und Ponta das Canas fan­den wir aber trotz­dem einen ganz klei­nen, unbe­bau­ten Strand, der von gro­ßen Stei­nen umschlos­sen ist und einen herr­li­chen Aus­blick bietet.

Meist lie­fen wir gemüt­lich am Strand ent­lang; bis­weile muss­ten wir aber auch über große Steine kra­xeln oder klet­tern, enge Wege erkun­den oder uns unter Bäu­men durch den Wald schla­gen. Alles in Allem war es also eine sehr abwechs­lungs­rei­che Wan­de­rung undauch ziem­lich anstrengend.

Da meine Kamera ja gerade nicht funk­ti­ons­tüch­tig ist, bin ich mit mei­ner che­mi­schen Kamera los­ge­zo­gen. Das manu­elle Ein­stel­len von Blende, Belich­tungs­zeit und Fokus hat sol­chen Spaß gemacht, dass ich gleich einen gan­zen Film ver­schos­sen habe und beschloss sie wohl häu­fi­ger mitzunehmen.

Einige digi­tale Bil­der mit Haralds Han­dy­ka­mera gibt es aber auch. Ihr fin­det sie jetzt auf den Sei­ten 9 und 10 des Trilha-Ordners.

Abschiedsgrillen und baden

Oli­vier, Toch­ter einer Spa­nie­rin und eines Eng­län­ders, die in Bel­gien auf­ge­wach­sen ist und nun in Eng­land stu­diert, fliegt am Sonn­tag wie­der nach Hause (wo immer das dann ist…).

Da wir beide am glei­chen Por­tu­gie­sisch­kurs teil­neh­men bzw. –nah­men, tra­fen wir uns am Don­ners­tag zusam­men mit ande­ren Por­tur­gie­sisch­kur­teil­neh­mern und Anhän­gen zum Gril­len und gemüt­li­chen Plau­schen bei ihr in Barra de Lagoa. Dank des kato­li­schen Bra­si­li­ens wird hier Fron­leich­nam gefei­ert und  uns wurde ein lan­ges Wochen­ende geschenkt.

Bei Son­nen­schein, 20 — 25°C und leich­tem Wind lie­ßen es sich Chi­le­nen, Kolum­bia­ner, Bra­si­lia­ner, Deut­sche und auch eine Frau aus Gua­te­mala gut gehen.

Gegen Nach­mit­tag ver­ab­schie­de­ten Harald und ich uns dann um noch fix in den Atlan­tik zu hüp­fen. Die Sonne geht hier ziem­lich früh unter und dann wird es auch schnell emp­find­lich kalt. Solange sie aber zu sehen ist und nicht zu sehr von Wol­ken ver­deckt wird, kann man noch prima baden.

End­lich nähern sich die Tem­pe­ra­tu­ren auch den Gefühl­ten der Ost­see an und das Mehr bie­tet im Gegen­satz zum Hoch­som­mer eine wirk­lich Erfri­schung. Frei­lich, die Bra­si­lia­ner sehen das nicht so und stem­pel­ten uns mal wie­der als voll­kom­men durch­ge­knallt ab.

8,4 auf der Richterskala

Nein, keine Angst, es gab kein Erd­be­ben. Am Diens­tag haben wir unsere vor zwei Wochen abge­leg­ten Por­tu­gie­sisch­zwi­schen­tests zurückbekommen.

Zunächst ein­mal ließ uns Mar­cia, unsere Leh­re­rin, ziem­lich rund lau­fen, stellte alte und häu­fige Feh­ler an den Pran­ger und ließ jeden live seine dümms­ten Fehl­tritte an der Tafel berichtigen.

Danach herschte eine Stim­mung wie auf einer Beer­di­gung und einige hät­ten anschlie­ßend wohl lie­ber auf die Ergeb­nisse verzichtet.

Am Ende gab es die sehn­lichst erwar­tete Auf­lö­sung der Ergeb­nisse. Von bis zu 10 mög­li­chen Noten­punk­ten erreichte ich 8,4. Das ent­spricht 84%, eine 2 im deut­schen Noten­sys­tem, oder? Ok, so schlecht ist das doch gar nicht…

Streik und hungrige Zeiten

Die „fun­ci­onários“ also die Ange­stell­ten der Uni­ver­si­tät betei­li­gen sich seit die­sem Mon­tag an einem Gene­ral­streik. Das heißt, dass jetzt erst­mal alles still­steht, was von ihnen abhängt.

Die Biblio­thek ist genauso tot wie das geliebte Restau­rante Uni­ver­sitário, R.U. (Mensa). Keine Boh­nen mit Reis mehr. Schniiief! Jetzt muss ich ent­we­der selbst kochen, in ande­rer, bes­sere aber auch wesent­lich teu­rere Restau­rants gehen oder eben gar nichts mehr zum Mit­tag zu mir nehmen.

Ob die Pro­fes­so­ren sich even­tu­ell auch am Streik betei­li­gen, ist irgend­wie noch nicht raus. Infor­ma­tio­nen flie­ßen mehr als spär­lich und so bleibt mir abzu­war­ten. Abwar­ten, das kann sich lange hin­zie­hen. Beim letz­ten Mal wurde drei Monate gestreikt. Na da bin ich dann schon fast wie­der in Deutschland!